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SV Mertendorf e.V.
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Vom Traktor zum Pferd

Nach dem 1. Weltkrieg wurde in Mertendorf neben dem Bürgerlichen Sportverein auch ein Arbeitersportverein gegründet. Da dessen Mitglieder aus der Umgebung von Mertendorf kamen, soll die Mitgliederzahl 1919 ca. 120 betragen haben. Wie auf dem Bild, das 1929 vor der Mertendorfer Gaststädte entstanden sein soll, zu erkennen ist, war das Alter der Mitglieder sehr breit gefächert.


1929 Arbeitersportverein

Die Zeit der Weltwirtschaftskrise hatte selbstverständlich auch seine Auswirkungen auf unsere Region. So gab es zu jener Zeit, wie leider auch heute, Arbeitslosigkeit. Die damals arbeitslosen Mitglieder des Arbeitersportvereins hatten sich ein großes Ziel gesetzt. Sie schufen am Schachtberg in Mertendorf auf einer zerklüfteten Fläche einen Sportplatz, auf dem der Fußball in Mertendorf seinen Ursprung hat. Dieser Sportplatz, dessen Oberfläche aus schwarzer Schlacke der ehemaligen Tonfabrik in Mertendorf entstammte, war über Jahrzehnte eine gefürchtete Spielfläche für alle Fußballmannschaften, die in Mertendorf zu einem Spiel antraten.

Über den gleichen Zeitraum, in dem er die Spielstätte der Fußballmannschaften von Mertendorf war, wurde er auch für den Sportunterricht der Mertendorfer Schule genutzt. Durch die Einführung der Mittelschulen zum Ende der Fünfziger wird dieser Platz auch heute noch für viele aus der Umgebung von Mertendorf in mehr oder weniger guter Erinnerung sein. Mit der Einweihung des neuen Sportplatzes im Jahre 1983 war die "Schwarze Erde" von Mertendorf in Vergessenheit geraten. Nach der Wende wurde sie als Reitplatz wieder genutzt und dient somit weiterhin sportlichen Zwecken. Doch zurück zum Fußball, der Sportart, die in Mertendorf seit jeher die Nummer Eins ist. Neben der Männermannschaft begannen in den dreißiger Jahren auch Kinder und Jugendlichen sich für den Fußballsport zu begeistern, wie das Bild der Jugendmannschaft von 1940 zeigt.


Jugendmannschaft 1940

Die Spieler der Jahrgänge, die ihre aktive Zeit wegen der Kriegswirren unterbrechen mussten waren es, die nach Ende des Krieges den Grundstein für die Fußballtradition Mertendorf legten. Leider sind aus den Jahren des Beginns bis weit in die Fünfziger kaum Dokumente vorhanden.

Der 2. Weltkrieg ist zu Ende. Trotz großer Not beginnt sich das Leben zu normalisieren. So ist es auch nicht ungewöhnlich, dass der Sportplatz wieder zum Treffpunkt der Jugendlichen und jungen Männer wird. bereits 1947 war es Paul Köhler, der sich für die Bildung einer Fußballmannschaft einsetzte. Zu den Aktiven, die unter schwierigsten Bedingungen am Neuanfang beteiligt waren, gehörten aus Mertendorf Spieler wie Gerhart Löblich, Karl Schumann und Horst Friedrich.

Damals zog der Mertendorfer Sportplatz Fußballbegeisterte aus den umliegenden Gemeinden an. So gehörten zu den Begründern dieser Mertendorfer Tradition aus Wethau die Sportfreunde Erich Weszka und Horst Böhme. Die Sportfreunde Zaft aus Giekau, Rolf Hering aus Stößen und Bruno Müller aus Görschen. Die damaligen Bedingungen erforderten eine große Begeisterung für den Fußballsport. Die Ausrüstung, wie Schuhe und Bekleidung, stammte aus alten Beständen oder musste irgendwie besorgt werden. Zu Auswärtsspielen war das Fahrrad das einzige Verkehrsmittel. 1948 wurden die ersten Pflichtspiele durchgeführt. Zur damaligen Zeit gehörte unser Einzugsgebiet noch zum Kreis Weißenfels. Aktive von damals könne sich noch an Fahrten mit dem Fahrrad bis Großgörschen hinter Lützen erinnern.

Über den Umfang der Pflichtspiele und Plazierungen sind leider keine Dokumente erhalten. Nachdem Paul Köhler sich aus dem Sportverein aus nicht bekannten Gründen zurückgezogen hatte, war es Hans Warnt, der 1948 nach Punkewitz gezogen war und sich für die weitere Entwicklung im Verein einsetzte. Er dürfte auch zu den Initiatoren gehört haben, die 1949 zu Ostern ein Fußballtunier durchführten. Damit war eine Veranstaltung des Mertendorfer Sportvereins begründet. Auf dem Bild ist der Wanderpokal abgebildet, um den über viele Jahre vier Mannschaften kämpften. Die ersten Gegner waren die Mannschaften aus Osterfeld und Goseck sowie die 1 B von Rotation Naumburg.

Das Mannschaftsbild könnte die Spieler darstellen, die das erste Turnier bestritten. Mittlerweile war die Anzahl der Mitglieder im Sportverein Mertendorf soweit angestiegen, dass man mit zwei Männermannschaften und einer Jugendmannschaft am Wettspielbetrieb teilnahm. Im Jahre 1950 kam es zu einer kritischen Situation im Sportverein. Der überwiegende Teil der 1. Mannschaft verließ den Verein und wechselte nach Gieckau und später nach Naumburg. Materielle Vergünstigungen sollten auch damals schon eine Rolle gespielt haben.

Hans Warnt mußte sich aus beruflichen Gründen aus seiner aktiven Rolle zurückziehen. Danach übernahm Ernst Krumbholz die Verantwortung für die Organisation des Spielbetriebes. Wie auf einem weiteren Bild zusehen ist, war es damals am 1. Mai die Begegnung zwischen einer Mannschaft des Sportvereins und Arbeitern der Tonfabrik. In letzter Zeit sind es die "Prestigekämpfe" Zwischen Mertendorf und Punkewitz.


Fußballspiel 1951 (auf der "Schwarze Erde")

1953 hatte sich für den Sportverein einiges geändert. Der Kreis Naumburg wurde gebildet und dadurch ging die Fahrt zu Punktspielen überwiegend nur noch nach Naumburg, wo eine große Zahl Mannschaften existierte. Zum anderen wurde die GHG zum Trägerbetrieb und der damalige Leiter gleichzeitig der Vorsitzende des Sportvereins. Der Vorteil für die Aktiven - es gab neue Fußballschuhe. In diesem Jahr kehrten auch die erste nach Naumburg gewechselten Spieler zurück.

Das 5. Osterturnier wurde durchgeführt. Da sich das Turnier über den ganzen Tag erstreckte, mußte ja auch etwas gegessen werden. Damals nahmen alle Spieler und Fußballbegeisterten, die es konnten, Spieler und Anhänger der teilnehmenden Mannschaften zum Mittagessen nach Hause mit. Dieses kameradschaftliche Verhalten war sicherlich mit entscheidend dafür, dass das Turnier heute noch besteht.

Obwohl die Unterstützung bis zur Mitte der Fünfziger für die Mertendorfer Fußballer nicht sehr üppig war, rollte der Ball immer weiter und das Osterturnier war der Höhepunkt jedes Sportjahres. Etwa 1955 wurde die MTS Rathewitz zum Trägerbetrieb der BSG "Traktor" Mertendorf. Dadurch wurden nicht nur die materiellen Bedingungen verbessert. Zu den Auswärtsspielen stand nun ein Fahrzeug bereit. Da die MTS nur ein Lkw hatte, musste dieser genutzt werden. Unter heutigen Bedingungen wäre dies zwar nicht mehr möglich, doch zu der damaligen Zeit war es für eine Landsportgemeinschaft ein Erfolg, wenn man so zu einem Auswärtsspiel fahren konnte. Das die Bänke nur für diese Fahrten daraufgestellt wurden und der damalige Fahrer, H. Wagner, immer in Zeitnot war, lässt den Luxus dieser Fahrten erahnen.

Darüber hinaus kamen auch Fußballspieler nach Mertendorf, die bei der MTS beschäftigt waren. Auch aus Großgestewitz kamen zum Ende der Fünfziger 9 Aktive nach Mertendorf. Dabei warten Heilmanns dreimal und Reinsch sowie Barth zweimal vertreten. Außerdem waren es der "Weiße" (Watol) und E. Eib.

Damals wurde Mertendorf zu einer Spitzenmannschaft im Kreis Naumburg. Zu Beginn der sechziger Jahre nahm die BSG "Traktor" als Kreismeister zweimal an den Aufstiegsspielen zur Bezirksklasse teil, mussten sich aber immer einem Stärkeren geschlagen geben. Neben E. Eib gehörten zu dieser Zeit auch H. Fechtner zu den Aktiven. Beide waren über viele Jahre Aktivposten in der Mertendorfer Mannschaften und sind es noch heute bei den "Alten Herren". Neben dem FDGB-Pokal spielten die Landsportgemeinschaften zu dieser Zeit auch um den "Goldenen Traktor". Dabei gab es immer "Heiße Schlachten" zwischen den Traktormannschaften aus Fränkenau (Später Klosterhäseler), Herrengosserstedt und Eckartsberga. In den Jahren 1961 und 62 gewannen Mertendorf diesen Pokal zweimal in Folge. Nach dem Sieg 1962 kam es zu einem der größten Erfolge für den Mertendorfer Fußball. Durch einen 4:2 Sieg über "Traktor" Rosslau im Bezirksendspiel des Bezirkes Halle stand dieser Pokal für ein Jahr in Mertendorf. Neben den Höhen gab es auch wieder Tiefen. Doch der Fußball ist in Mertendorf immer weiter gerollt.


1. Männermannschaft 1965

1967 wurde noch einmal der "Goldene Traktor" gewonnen. Das ist auch ein Verdienst vieler Sportfreunde, die viel Energie in den Erhalt und die Entwicklung des Vereins investiert haben. Zwei davon sollen hier noch erwähnt werden. Helmut Geidel, der Ende Fünfzig nach Mertendorf kam und in einer kritischen Situation Verantwortung im Verein übernahm und auch zum Vereinsvorstand gehörte. Große Verdienste um den Mertendorfer Fußball hat auch Horst Dietzel. Nicht nur weil er beim ersten Osterturnier bereits als Aktiver dabei war. Er war es, der über Jahrzehnte den Nachwuchs ausgebildet hat und somit die Basis für den Männerbereich geschaffen hat.

Zu Beginn der Siebziger Jahre gelang im Nachwuchsbereich ein Achtungserfolg. In der damaligen Bereichsklasse, zu der die besten Mannschaften der Kreise Naumburg, Weißenfels und Nebra zusammengefasst raren, gehörte auch die B-Jugend aus Mertendorf.
Zu Dieser Zeit waren die Transportbedingungen für die Mannschaften auch besser geworden. Vom ACZ wurde ein Aufbau mit festen Bänken angeschafft. Wenn Zupfer Karl seine Milchtour beendet hatte, wurde die "Pritsche" umgerüstet und die Fahrt zu Auswärtsspielen konnte beginnen. Die 1. Mannschaft spielte in der ersten Kreisklasse immer eine gute Rolle.


1. Männermannschaft 1972

Nach der Gründung der VSG Löbitz 1971 gab es nun auch immer heißumkämpfte Lokalderbys. Ein großer Teil der Löbitzer Spieler hatten ja auch in Mertendorf mit dem Fußball begonnen.
1977 kam es zu einem "dramatischen Finale" um die Kreismeisterschaft. Das letzte Punkspiel endete 1:1 da ein Tor durch E. Eib vom Linienrichter wegen Abseits annulliert wurde. Damit waren FSG Naumburg und Mertendorf punktgleich, aber FSG hatte das bessere Torverhältnis. Vom Kreisfachausschuß waren Mertendorf vorsichtshalber schon zwei Punkte abgezogen worden, damit der Kreismeister aus Naumburg kommt. Dieses Urteil wog jetzt schwer. Durch die Rechtskommission des BFA Halle wurden diese Punkte wieder zugesprochen und somit war der Kreismeistertitel und der Aufstieg in die Bezirksklasse erreicht. Da die sanitären Voraussetzungen am Mertendorfer Sportplatz damals noch nicht vorhanden waren, musste in diesem Spieljahr die Heimspiele in Löbitz durchgeführt werden. Vielleicht lag es auch mit daran, das die Klasse nicht gehalten werden konnte.

Mit dem Aufstieg der 1. Männermannschaft in die Bezirksklasse 1977 war auch Heinz Schröder nach Mertendorf zurückgekommen und betreute die "Erste" als Übungsleiter. Nach dem Abstieg spielte diese Mannschaft in der Kreisklasse wieder eine gute Rolle. 1981 wurde der Kreismeistertitel erneut nach Mertendorf geholt und somit stand ein weiteres Jahr in der Bezirksklasse bevor. Um die Heimspiele nun in Mertendorf bestreiten zu können, hatte die Sportgemeinschaft mit Unterstützung des ACZ die Voraussetzungen dafür geschaffen. Mit viel Einsatz war am alten Sportplatz ein Reichsbahnwagen als Sanitärtrakt umgerüstet worden. Der Wasseranschluß dafür wurde in mühevoller Handarbeit durch unwegsames Gelände von den Mitgliedern und Anhängern der Sportgemeinschaft gelegt.
Trotz Verstärkung erfahrener Spieler aus Naumburg und "Heimvorteil" wurde der Klassenerhalt nicht erreicht, da in einigen Spielen ein Quentchen Glück gefehlt hat. Bereits im nächsten Jahr stellte dies Mannschaft mit ihrem Übungsleiter H. Schröder ihr Leistungsvermögen unter Beweis und holte erneut den Kreismeistertitel nach Mertendorf.

Zu dieser Zeit war der Bau des neuen Sportplatz im vollen Gange. Auch dieses Vorhaben wäre ohne die großzügige Unterstützung durch das damalige ACZ sicher nicht so schnell realisiert worden. Im Sommer 1983 wurde dieser Sportplatz durch den neuen Kreismeister und die Oberligamannschaft Chemie Buna-Schkopau eingeweiht.

Somit konnte der dritte Anlauf in der Bezirksklasse auf diesem Platz in Angriff genommen werden. Nach Löbitz und dem alten Sportplatz war es nun die dritte Spielstätte, auf der eine Mertendorfer Mannschaft den Kampf um den Klassenerhalt in der Bezirksklasse aufnahm. Doch auch dieses Mal reichten die gewonnenen Punkte am Ende des Spieljahres für das gestellte Ziel nicht aus und das nächste Spieljahr musste wieder in der Kreisklasse absolviert werden. Auch in den folgenden Jahren waren die Fußballmannschaften aus Mertendorf, sowohl bei den Männermannschaften als auch im Nachwuchsbereich immer mit tonangebend im Kreise Naumburg. Im Nachwuchsbereich wird dies belegt durch ein Vielzahl gewonnener Spartakiademedallien.



Jugend 1985


Schülermannschaft 1988 Kreismeister


1. Männermannschaft 1989/90 Kreismeister

alte Mannschaftsfotos


Quellen: Schäfer Werner, Dietzel Maria, Mertendorfer Archiv

 

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